|
Verband alleinerziehender Mütter und Väter (VAMV) -
Bundesverband, Mitglied der Steuerungsguppe des Bundesforums Familie
Wertekonflikte: Der Kampf um Definitionsmacht - Werte
und ihre Ausgestaltung werden von den Gruppen und Personen definiert,
die über eine gesellschaftliche priviligierte Stellung verfügen. Das
Bewusstsein über den Machtanteil des Wertekonflikts ermöglicht es,
Wertekonflikte zu relativieren.
„... Jedes Erziehungssystem ist eine
politische Methode, die Aneignung der Diskurse mitsamt ihrem Wissen und ihrer
Macht aufrechtzuerhalten oder zu verändern." (Michel Foucault: "Die Ordnung
des Diskurses", Fischer Verlag)
Werte und
ihre Ausgestaltung werden von den Gruppen und Personen definiert, die über eine
gesellschaftlich privilegierte Stellung verfügen: Politiker/innen, Kirchen,
Bildungsinstitutionen. Kinder haben bei der Definition von Werten keine Mitsprache.
Sie gelten nicht als kompetente Akteure in der Diskussion um Werte.
Der
Wertkonflikt beinhaltet, egal ob er zwischen Personen oder intrapersonal
verläuft, einen Machtaspekt. Ich vertrete einen Wert, den ich für wichtiger
halte (oder dessen Ausgestaltung ich kompetenter beherrsche) und beanspruche
dadurch die Definitionsmacht. Diese Machtbeziehung kann zwischen Kindern und
Erwachsenen, aber auch zwischen unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppen
bestehen.
Das
Bewusstsein über den Macht-Anteil des Wertkonflikts ermöglicht es,
Wertkonflikte zu relativieren. Die Frage kann dann nicht lauten: Welcher Wert
ist wichtiger?
Die Fragen
sollte lauten: Welche Definitionsansprüche vertrete ich im Wertkonflikt? Müssen
diese besser oder richtiger als andere sein? Sind Ambivalenzen immer auflösbar
oder kann ich damit leben, dass es unterschiedliche Interpretationen geben
kann?
Konflikte und Ambivalenzen regen zur Selbstreflektion an - einer der zentralen menschlichen Eigenschaften, die vielleicht als solche schon ein Wert ist.
|